In Südafrika wird voraussichtlich fast die Hälfte der heute 15-Jährigen in Zukunft an den Folgen von HIV/Aids sterben. Insgesamt sind die Infektionsraten weiterhin stark angestiegen, und dies obwohl inzwischen zahlreiche staatliche und private Programme zur Aids-Prävention angelaufen sind. Dies geht aus dem aktuellen Jahresbericht der südafrikanischen Regierung zur Aids-Situation hervor, auf den die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich des Weltgesundheitstags hinweist. "Die Zahlen zeigen, dass es nicht ausreicht, Jugendliche über Aids zu informieren," erklärt DSW-Geschäftsführer Dr. Hans Fleisch. "Programme zur Aids-Prävention müssen sich daran messen lassen, ob sie auch das Sexualverhalten von jungen Menschen positiv verändern. Die Aufgabe ist Motivation plus Information."

Bei der landesweiten Untersuchung wurde bei fast einem Viertel der Frauen, die aufgrund einer Schwangerschaft ein Gesundheitszentrum aufgesucht haben, eine HIV-Infektion festgestellt. In einigen Provinzen lagen die Raten sogar noch deutlich h
öher: In Kwa Zulu Natal sind bis zu 36,2 Prozent der Schwangeren HIV-positiv. Besonders betroffen sind junge Frauen zwischen 20 und 30 Jahren. "Viele Programme gehen an den Bedürfnissen von jungen Menschen vorbei, weil sie ihre soziale Realität nicht berücksichtigen", so Fleisch. "Wenn junge Menschen eine konkrete Perspektive haben, handeln sie auch gesundheitlich verantwortungsbewusster."

In Südafrika ist Aids die häufigste Todesursache. Fünf Millionen Afrikaner sind HIV positiv (was etwa 20 % der Landesbevölkerung entspricht), jährlich sterben 250.000 Menschen an dieser unheilbaren Krankheit. Trotzdem ist Aids vor allem in ländlichen Teilen noch immer ein Tabuthema, wobei in den Städten mehr Menschen mit dem HI-Virus infiziert sind, außerdem gibt es doppelt so viele Aids kranke Frauen wie Männer, sogar schon ein Drittel der Schwangeren ist infiziert. Medikamente sind für die meisten Menschen zu teuer, Aufklärung wird kaum betrieben. Die Menschen wissen einfach nicht Bescheid.

In Südafrika sind vor allem die Probleme mit wechselnden Sexualpartnern, unsterile Spritzen aber auch die Frauenbeschneidung Ursachen für die Übertragung des HI-Virus. Besonders unter Jugendlichen breitet sich Aids sehr schnell aus.

Wenn Eltern sterben, kommen die (über 500.000) Waisen zu ihren Verwandten oder in Waisenhäuser, was meistens ein Versorgungsproblem mit sich bringt. Die Kinder haben kaum mehr positive Zukunftsaussichten.

Selbst die Regierung lässt ihre Augen geschlossen. Wir können nicht einem einzigen Virus alle Probleme zuschreiben, ließ Präsident Thabo Mbeki auf der 13. Welt-Aids-Konferenz (Juli 2000) verlauten.

Einzelne Organisationen (wie z.B. Misereor, CISS, Brot für die Welt, dörfliche Initiativen) haben sich u.a. auf Hilfe für Aids-Kranke und HIV-positive, jedoch genauso auf die Aufklärung, spezialisiert. Doch sie benötigen Spenden, damit sie ihre Arbeit in vollem Maße ausführen können.

Wenn nichts unternommen wird, werden 2010 zwei Millionen Kinder in Südafrika Aids-Waisen sein.

Wenn wir kalte Cola und Bier in die entlegensten Regionen Afrikas bringen können, sollte es nicht unmöglich sein, dasselbe mit Medikamenten zu tun. Joep Lange, Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft.

LINKS:

Deutsche Aidshilfe

Brot für die Welt

Bundeszentrale für gesundheitlich Aufklärung (BzgA)